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Texte von H. Kapeller (kap)

Die Expedition

Hepatitis, der schon einen gewaltigen Glimmer im Gesicht hatte, hob seine Flasche und brachte einen Toast auf mich, den Leiter dieser gefährlichen Expedition aus. Tja, Hepatitis … Sein Anblick legte die Vermutung nahe, dass er gleichzeitig gegen die Formen A, B, und C dieser Krankheit kämpfte, der er seinen Spitznamen verdankte, dazu noch Zirrhose hatte und diverse Lebertumore mit einer Außenseitertherapie behandelte – der Abtötung, durch enorme Mengen des Zellgiftes Alkohol. Vor einigen Jahren, als er mal wieder auf der Intensiv lag, schlichen Attaché, Winkelfinger und ich reumütig und mit tief gesenkten Köpfen zur örtlichen Gruppe der Anonyme Alkoholiker, doch die waren der Meinung, stadtbekannte Trunkenbolde seien bei den anonymen fehl am Platze. Wir flogen ratzfatz wieder raus. Winkelfinger war es, der dann auf diese glorreiche Idee mit der Wallfahrt nach Lourdes kam. Ich hatte von Anfang an meine Zweifel, doch auf mich hörte ja keiner, und so kam es, wie es kommen musste. Das Pilgern war eine strapaziöse Angelegenheit, besonders, bei über dreißig Grad im Schatten. Der Staub, die Hitze – der Durst. Vermutlich gefiel der Jungfrau Maria nicht der Zustand, in dem wir dort ankamen, auf jeden Fall wurden unsere Gebete nicht erhört und so endete diese denkwürdige Pilgerreise, nach etlichen, sehr anstrengenden Wochen, im Kloster Andechs, wo sich inzwischen auch Hepatitis zur Reha aufhielt. Bleibt noch nachzutragen, dass wir in Lourdes Reiber kennen lernten. Er war damals schon trocken und begleitete uns, um sich, wie alle ehemaligen Säufer, die am liebsten wieder mit dem Saufen anfangen würden, an unserem Treiben aufzugeilen. Jetzt hab ich den Faden verloren. Was wollt ich euch eigentlich erzählen? Erst mal ein Maiselchen holen, beim Schlabbern wirds mir schon wieder einfallen. Kleinen Moment bitte! So, wusste ichs doch: von unserer letzten Expedition auf den Roßkopf, wollt ich euch erzählen. Reibers Vorschlag, die Expedition diesmal mit Mountainbikes vorzunehmen, hatte was, zugegeben - dennoch, ganz wohl war mir nicht dabei, daher musterte ich vor dem Aufbruch das Material und die Mannschaft besonders gründlich.

Reiber grinste mich gut gelaunt an. Er hatte ja allen Grund dazu, bei dem Gedanken, dass morgen früh in völliger Dunkelheit vier Volltrunkene und er als nüchterner Beobachter den Roßkopf herunter brausen würden, zuckten seine Hände schon nervös hin und her. Den krankhaften Tick, bei Aufkommen von Schadenfreude die Handflächen ekstatisch aneinander zu reiben, bekam er einfach nicht unter Kontrolle. Winkelfinger war vermutlich erst vor kurzem aufgestanden, sein linker kleiner Finger hing noch ziemlich schlapp in der Gegend herum. Dieses Phänomen, dass sich das Ding im Vollrausch zu einem extremen Winkel verbog und völlig versteifte, faszinierte mich immer wieder. Winkelfinger sollte mal versuchen diese Versteifung in die Hose zu verlagern, er könnte sich vor Frauen nicht mehr retten. Attaché verstaute gerade die Getränke, als er eine Flasche von dem billigen Fusel, nach dem er benannt war, dazu legte, grinste er mich zwinkernd an. Hepatitis musste den riesigen Rucksack Arnold Schwarzenegger entwendet haben, denn Attaché packte sechzig Dosen Bier in das Ding, bevor wir ihn zu zweit aufs Fahrrad hebelten. Hepatitis lehnte noch entrüstet den Transport von Reibers fünf Dosen Cola ab, dann saßen alle auf, und das Abenteuer begann!

Schon die Etappe zu Depot Eins bewältigten wir nur mit enormer Anstrengung. Depot Eins, eine Wanderhütte am Waldrand, lag unterhalb des Roßkopf. Ziemlich erledigt stiegen wir von den Bikes. Die Hautfarbe von Hepatitis hatte schon einen leichten Grünstich. Winkelfinger sah aus wie ein Sechzigjähriger, dabei hatten wir uns alle gewundert, dass er vor kurzem den Vierzigsten ohne Lebertransplantation erreichte. Hepatitis und Winkelfinger waren die konditionell schwächsten Teilnehmer der Expedition. Ich stellte mein Bike ab und wendete mich an Attaché.                                         »Heeh Attaché‚ hilf mir, Hepatitis vom Fahrrad zu heben.«
»Leck mich am Arsch!«
»Du hast wohl vergessen, dass Hepatitis die gesamten Getränke im Rucksack hat.«
Das Argument zog. Attaché und ich kümmerten uns um Hepatitis und besonders um seinen wertvollen Rucksack. Die nächsten zehn Minuten hörte man nur gluckernde Geräusche. Im Depot Eins hatten wir immer eine kleine Zwischenmahlzeit gebunkert. Es handelte sich um eine Flasche Attaché‚ sie war in einem Versteck deponiert und gegen zufälliges Finden raffiniert getarnt. Die Strapazen der ersten Etappe erforderten ungewöhnliche Maßnahmen. Wir ließen den Weinbrand kreisen. Er schmeckte wie Lösungsmittel, aber gerade dadurch kamen wir wieder auf die Beine. Tausend Leute haben mir schon erzählt, dass ein Stück Fleisch, über Nacht in ein mit Coca Cola gefülltes Glas gelegt, am nächsten Tag verschwunden sein soll (Nebenbei bemerkt, ich kenne keinen, der es auch wirklich probierte), führt man das gleiche Experiment mit Attaché durch, dann ist am nächsten Tag auch das Glas fort. Nachdem die Flasche drei Runden gedreht hatte, gab es zwar für Depot Eins nichts mehr zu deponieren, aber wir sahen den drohenden Gefahren gelassener entgegen. Winkelfinger bekam erhebliche Probleme mit der Shimanoschaltung. Der schon halb steife, leicht angewinkelte Finger verfing sich oft in den Schalthebeln. »Hey Leute, zum nächsten Geburtstag kaufen wir Winkelfinger eine Gripshiftschaltung, dann kann er die Gänge durch Drehen am Handgriff schalten«, schlug ich vor. »Hepatitis, nimm Suffkowskis Vorschlag ins Protokoll auf«, forderte Attaché.

Die Strecke zu Depot Zwei kam uns unendlich lang vor. Depot Zwei war ebenfalls eine Wanderhütte. Diesmal halfen Reiber und Attaché Hepatitis beim Abstieg vom Bike. Winkelfinger und ich warfen uns ins Gras. Hepatitis war doch noch der beste Freund. Er warf uns zwei Maisel's zu. Wir waren fertig mit der Welt. Mit letzter Anstrengung robbten wir auf die Büchsen zu. Es wäre ein Leichtes gewesen, uns jetzt den Rest zu geben. Die Aufschrift CLAUSTHALER auf den Dosen hätte gereicht. Wir durften weiterleben - es war der unverwechselbare Stern aus Bayreuth drauf. Der Schriftzug MAISEL’S WEISSE wirkte beruhigend. Selten wurden Bierdosen so leer gesaugt. In Depot Zwei lagerte 60prozentiger Blutwurz, ein teuflischer Kräuterschnaps. Bei uns hieß er aus naheliegenden Gründen Blutsturz. Er half uns wieder auf die Beine. Reiber beobachtete entzückt, wie wir die Flasche in Rekordzeit leerten. Zum Glück mussten wir nur noch ein kurzes Stück bis zum Gipfel bewältigen. Für Winkelfinger konnte es aber schwierig werden, denn mit dem Finger, den er inzwischen mit sich herumschleppte, war ein Gangwechsel ohne die erwähnte Gripshiftschaltung unmöglich. Aus Solidarität beschlossen wir die Bikes im Depot Zwei zurückzulassen. Mein Gott, war das letzte Stück schlimm. Bei Reiber konnte man vermuten, dass er in einen Jungbrunnen gesprungen wäre. Wir vier dagegen waren reif für die Pathologie, aber letztendlich zählte nur: Wir hatten unser Expeditionsziel erreicht! Scott musste ähnlich empfunden haben wie wir. Nur waren unsere Strapazen unvergleichlich größer. Keiner hatte mehr die Kraft, Hepatitis beim Ablegen des Rucksacks zu helfen. Hepatitis selbst war völlig fertig. Er sackte um. Wir kümmerten uns sofort um den Rucksack und befreiten ihn von Hepatitis.

Eine Stunde und etliche Dosen Bier später, bestand wieder leichte Hoffnung, dass wir die Expedition doch noch überstanden. Reiber bemerkte das und fiel zusammen. Jetzt musste Holz gesammelt werden, und zwar so viel, dass es für die ganze Nacht reichte. Erfahrungsgemäß wussten wir, dass keiner von uns später auch nur einen Finger rühren würde, den speziellen von Winkelfinger ausgenommen. Reiber sah, dass Winkelfinger schon ziemlich dicht war und schlug vor, dass wir Holz holen sollten. Winkelfinger wäre dann für das Anzünden des Lagerfeuers verantwortlich gewesen, dies geschah immer unter Zugabe von reichlich Brennspiritus. Bei aller Sympathie für Reiber, aber dieser hinterhältige Vorschlag ging zu weit. Wir ließen unseren Winkelfinger nicht in die Falle tappen.Trotz diverser Schwierigkeiten, wie Baumwurzeln, die einen heimtückisch stolpern ließen, oder in die Ohren bohrende Zweige, brannte dann endlich unser riesiges Lagerfeuer.

Die Stunden plätscherten so dahin. Wir waren von den Strapazen zu müde für große Gespräche, nur Reiber versuchte einmal eine Diskussion, so ganz nach seinem Geschmack, in Gang zu bringen: »Leute, gestern habe ich in der Bildzeitung gelesen, dass Alkohol die Eier schrumpfen lässt!« Eisiges Schweigen! Reiber richtete sich interessiert auf, in seine Augen trat ein verräterischer Glanz. »Schon mehr als zwei Glas Bier täglich, sollen diesen Effekt hervorrufen.« Die Herren mit den Schrumpfeiern gaben keinen Kommentar ab. »HEY wisst ihr, wie man die Eier von Hepatitis auf Erbsengröße bringt?«, kam Reiber mit dem uralten Witz. Die Antwort gab er natürlich selbst: »Man sticht ein Loch rein, nimmt einen Strohalm und bläst sie stundenlang auf!« Nur Reiber lachte.

Hepatitis wurde es zu dumm, er sprang auf, drehte Reiber den Rücken zu, bückte sich und drückte dann gewaltig ab. Ein peitschender Knall, gefolgt von einem sirenenartigen Heulton krönte seine Bemühungen. Reiber hechtete hektisch weg, die einzig richtige Reaktion, sonst hätte ihn der heimtückische Furz frontal erwischt. Winkelfinger erhob sich, bedenklich wackelnd: »Fääähhhnrisch Hepatitis trääättten schiee an«, brüllte er. Der zum Fääähhhnrisch ernannte Hepatitis galoppierte zu Winkelfinger. »Als Oberbefeehhshaber der Krieschmarine verleihe ich ihnen hiermit das Tripperkreuz im Schultergurt!«
Winkelfinger fummelte an seiner Hose herum und zog, unter größten Schwierigkeiten, seinen Gürtel ab, dass deswegen seine Hose rutschte, störte ihn nicht weiter. Er schnallte Hepatitis den Gürtel um Brust und über die linke Schulter, in die so entstandene Schlaufe legte er dann, mit großem zeremoniellen Gehabe, eine Dose Maisel's. »Fääähhhnrisch Hepatitis, die Ausscheichnung wird ihnen verliehen, weil sie die Feindpropaganda mit einer vollen Breitseite ausch ihrem Heckgeschütz zum Schweigen gebracht habbben!«

Man merkte immer noch, dass Winkelfinger seinen Wehrdienst bei der Marine absolvierte. Die Kampftrinkerausbildung bestand er damals mit Bravour. »Dasch wird den Feind lehren, sich nicht mehr über unsere Zaubernüsse lustig zu machen! Weiter so, schiee können appträäättten Fääähhhnrisch!« Der Fääähhhnrisch salutierte und trat ab. Sein Oberbefehlshaber beabsichtigte das auch, verfing sich aber in seiner herunter gerutschten Hose und stolperte in Richtung Feuer. Attaché bewahrte ihn im letzten Moment vor einem Sturz in die Flammen, sehr zum Missfallen von Reiber.

Nachdem sich der Qualm des Heckgeschützes von Tripperkreuzträger Hepatitis verzogen hatte, meldet sich bei mir der Hunger. »Sag mal Reiber, was habt ihr zum Grillen dabei?«
»Bockwürste, Thüringer und Schmetterlingsteaks.«
Ich hatte keinen Appetit auf Wurst, und die Schmetterlingsteaks kannte ich auch. Sie sahen aus wie weibliche Geschlechtsteile und schmeckten auch so, aber wie ungewaschene. Außerdem waren sie viel zäher, zumindest erheblich zäher, als die weiblichen Geschlechtsteile, mit denen ich damals zu tun hatte.
»Behalt die Fotzensteaks, leg mir ne Thüringer auf den Rost«
»Moment Suffkowski, hab ich ja ganz vergessen, zwei Haxen haben wir auch noch«
»Also gut, leg mir ne Haxe auf den Grill.«

Johnnie Walker, du bist mein bester Freund ..., Johnnie Walker, du gefällst mir seh r... unsere Nationalhymne lief, Winkelfinger hatte daran gedacht. Money for Nothing, sangen kurz danach die Dire Straits. Reiber musste an dieser Stelle immer lachen, wir konnten ihn verstehen, er war schon seit fünfzehn Jahre arbeitslos und bekam jeden Monat money for nothing. Kurz danach übernahm Hepatitis das Auflegen der CDs. Den Auftakt bildet der Zillertäler Hochzeitsmarsch. Eine Steigerung hielt ich für unmöglich, aber er schaffte es doch tatsächlich mit: Die Fischerin vom Bodensee.

Ich verdrückte mich und schaute nach meiner Haxe. Das Ding, welches auf dem Rost lag, konnte unmöglich eine Haxe sein.
»Reiber, ist das Gerät für mich?«
»Welches Gerät?«
»Na, das seltsame Ding«
»Das seltsame Ding ist eine Schweinshaxe.«
Ich sah mir den Gegenstand genauer an. Er sah aus wie ein Tumor. Ich nahm eine Gabel, stach rein, legte das Ding auf einen Baumstamm, schnitt ein Stück ab und biss rein. SO konnte nur ein Tumor schmecken! Wahrscheinlich sogar ein außerordentlich bösartiger. Ich schleuderte Reiber den bösartigen Tumor an den Kopf, rannte zum nächsten Gebüsch und kotzte bestimmt eine Viertelstunde. Halb im Koma bekam ich mit, dass Hepatitis auf den Turm gestiegen war. Dieser etwa dreißig Meter hohe Aussichtsturm auf dem Gipfel des Roßkopf übte schon von jeher eine große Anziehungskraft auf Selbstmörder und/oder Betrunkene, bzw. betrunkene Selbstmörder und selbst mordende Betrunkene aus. Hepatitis machte da keine Ausnahme, er stolperte auf der obersten Plattform durch die Gegend und versuchte mit raffinierten Ausweichmanövern den Leuchtkugeln zu entkommen, die Reiber auf ihn abschoss. Bei uns unten, auf dem Boden, krachte es inzwischen im Unterholz, das war Winkelfinger, der während dem Pissen umfiel. Die Stimmung erreicht den Höhepunkt! Marius Müller - Westernhagen sang: ... und ich treibe durch das Universum ... Nur die unendliche Weite des Universums verhindert unsere Kollision! Mittlerweile mussten wir Winkelfinger die Büchsen öffnen, sein Finger schloss eine andere Möglichkeit aus. Dieser Pornofinger in unserer Runde war wirklich ein Störfaktor! Da Reibers Versuche, Hepatitis in Brand zu schießen, erfolglos blieben, feuerte er anschließend Feuerwerksböller auf ihn ab. Hepatitis hatte leere Bierdosen als Munition auf den Turm, mit anderen Worten: Sein Munitionsvorrat war schier unerschöpflich. Westernhagen sang: Es geht mir gut … Als Expeditionsmitglied hätte er das nicht behauptet!

Ich weiß nicht mehr, wie lange es ging, doch irgendwann beruhigte sich wieder die Lage, und trotz des Chaos, das rings um uns herrschte, brachten wir am Schluss doch noch die Kraft auf, den Abstieg zu Depot Zwei zu wagen. Erstaunlicherweise erreichten wir es ohne größere Verletzungen. Jetzt brauchte keiner mehr Hepatitis beim Aufsteigen auf sein Bike helfen, denn der Rucksack war fast leer. Die restlichen Bierdosen teilten wir auf, sozusagen als Notration bei unvorhergesehenen Trennungen. Wir saßen auf. Hepatitis musste vorausfahren, denn niemand von uns hatte eine Beleuchtung am Rad, und die einzige Taschenlampe gehörte ausgerechnet dem betrunkensten Expeditionsteilnehmer. Seine Aufgabe als Lotse erfüllte er aber ganz gut, zumindest bis zur ersten scharfen Kurve. Links war der Waldrand, rechts steil abfallende Wiesen und in der Mitte, der schmale Weg, auf dem wir fuhren. Hepatitis mochte offensichtlich keine Kurven, denn anstatt dem Weg zu folgen, fuhr er geradeaus. Wir hörten lautes Scheppern und einen langgezogenen Schrei. Reiber jauchzte entzückt auf! Hepatitis probte anscheinend das Überleben unter widrigsten Umständen, auf einer extrem steilen Wiese. Nach einigen doppelten Saltos landete er ... wahrscheinlich, denn wir sahen nichts mehr - die Taschenlampe ging aus. Wieder lautes Scheppern, gefolgt von einem langgezogenen Schrei! Reiber folgte ihm, es war wohl doch etwas schwierig, beide Hände zu reiben und gleichzeitig Rad zu fahren. Wir übrigen hielten an und stiegen von den Bikes. »HEEEY HEPATITIS, HEEEY REIBER ...« »Uuurks, Tschugg, Tschuugg« Wir gingen den Geräuschen nach. Winkelfinger zündete sein Feuerzeug an. Im flackernden Licht sahen wir, wie sich der Kehlkopf von Hepatitis auf und ab bewegte. Attaché hatte inzwischen die Taschenlampe gefunden, und erstaunlicherweise funktionierte sie noch. Attaché schaltete sie an. Der Fuß von Hepatitis hing in den Speichen, seine Nase sah aus wie eine Salatgurke, sie war gebrochen, er aber lag dennoch, völlig entspannt auf der Seite, seinen Kopf auf dem Rucksack, den er als Kissen hingeschoben hatte und hielt in der rechten Hand das unvermeidliche Maisel's. Er grinste uns an. Reiber lebte auch noch, sah aber weniger fröhlich aus.

Der Platz war gut, wir legten uns ebenfalls dort hin und schlabberten ein letztes Maiselchen. Dann ging es weiter abwärts. Es gab noch einige spektakuläre Stürze, aber die Verletzungen hielten sich in Grenzen. Dadurch kam Reiber nicht ganz auf seine Kosten. Vielleicht schlug er deshalb vor, für die nächste Expedition geländegängige Motorräder zu leihen. Diese Idee begeisterte uns, doch leider wurde nichts mehr daraus. Reiber wollte es uns endgültig kochen. Er hörte mit dem Rauchen auf und trank ausschließlich gefiltertes Wasser. Vielleicht hätte er das ja überlebt, aber dann aß er nur noch Karotten, Körner, Keimlinge und so Zeug. Was für uns der Kneipenbummel, war für ihn der Besuch von Reformhäusern. Er ignorierte unsere Warnungen. Tja, ein Jahr später, kurz vor der geplanten Expedition mit den Geländemaschinen, war er tot. Magenkrebs.

© by kap, 1996

 

 
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