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CHERCHEZ LA FEMME
Ich jagte den geklauten Opel Diplomat über die Autobahn, während uns die Stones
ihr HONKY TONK WOMEN in die Ohren pressten. Neben mir saß Hanky, er hatte die
Augen zu und war ziemlich weggetreten. Auf dem Rücksitz zerrte Franco Rita den
Pullover über den Kopf. Die Schlampe half ihm kein bisschen, als er hektisch an
ihrem BH herumfingerte - im Gegenteil, sie klammerte sich wie eine Ertrinkende
an ihn und saugte sich an seinen Lippen fest. Wieso hebelt ihr der Gaskopf nicht
einfach den BH über die Titten, fragte ich mich erstaunt.
»Charly, schau
auf die Fahrbahn, und gib Stoff. Wir müssen den Bruch spätestens um Zwei landen.
Die ersten Buddler trödeln gegen Vier in der Spedition ein», ermahnte mich
Hanky, ohne jedoch die geringste Unruhe erkennen zu lassen. «Weißt du, diese
kleinen Einbrüche sind doch eigentlich gequirlte Scheiße ...«, sagte er
nachdenklich und streckte mir die glimmende Wundertüte hin. Ich nahm einen
tiefen Zug und spürte sofort die Wirkung. Der Schwarze Afghane war allererste
Sahne, anders als die getrocknete Kamelscheiße, die wir sonst qualmten.
Eigentlich, fühlte ich mich sauwohl, nen geilen Hobel unterm Arsch, gute Songs
und erstklassigen Stoff. Was wollte ich mehr? Nur Hanky nervte, er hatte
eindeutig seine gefürchtete, philosophische Phase drauf - wie immer, wenn er
stoned war - und quatschte dauernd langweiliges Zeugs. Kaum dachte ich daran,
ging's auch schon weiter:
»... aber Loser wie wir haben keine andere
Wahl, entweder reißen sie sich, für ne Sozialwohnung und n Mofa mit Hänger, auf
dem sie ihr Oettinger heim karren, den Arsch als Hilfsarbeiter auf, oder sie
riskieren Knast.«
Ich schaute auf die Uhr, OH! Verdammt knapp. Ein Blick
auf den Tacho, die Nadel zitterte in der Gegend um Zweihundert herum. Der
V8-Motor, mit seinen 240 PS, konnte mehr. Ich trampelte das Gaspedal bis zum
Bodenblech durch, mein Diplomat fraß die Autobahn - Franco Ritas Titten, dennoch
hätte ich für nichts auf der Welt mit ihm tauschen wollen.
»Der Mist fing
bei uns schon an, als wir noch Babies waren, tanzte Hanky weiter auf meinen
Nerven herum. Damals zwängte man uns in gebrauchte Strampler. Danach fuhren wir
gebrauchte Dreiräder, und unsere Tretroller taugten auch nix. In der Schule
mussten wir gebrauchte Bücher lesen. Später gurkten wir mit gebrauchten
Fahrrädern herum. Und was machen wir heute?«
Hanky sah dem Rauch nach,
der in Spiralen von der Tüte aufstieg (was für eine Verschwendung), dann deutete
er mit dem Kopf nach hinten und fuhr fort: Heute vögeln wir gebrauchte Schlampen
wie Rita.
»Klar, Hanky, aber im Moment schlaucht es mich mehr, dass
Silvestermorgen is und ich nur noch die Mücken für ne Currywurst in der Tasche
hab. Der Bruch muss einfach klappen. Meinst du, ich hab Lust, mir heute Abend
das Feuerwerk vom Balkon meiner Mutter aus anzusehen?«, antwortete ich. Auf dem
Rücksitz stöhnten Rita und Franco im Duett. Im Rückspiegel sah ich seinen Arsch
hektisch auf und abwippen. Es begann nach heißer Möse und Ficken zu muffeln. Am
liebsten hätte ich die Fenster aufgemacht, aber dann wäre Franco die eiskalte
Luft mit 220 Sachen über die nackten Arschbacken gesaust. Ich nahm den Fuß vom
Gas, streckte Hanky die Hand fordernd entgegen und verschluckte vor lauter Gier
fast den Joint.
»Ja, der Tip geht schon in Ordnung, stammt direkt von
nem Trucker, sie haben alle Schließfächer, in denen heute der Spesenvorschuss
für den ganzen Januar drin ist. Die Malocher kommen oft spät in der Nacht zurück
und müssen morgens wieder los, bevor das Büro besetzt ist. Der Schotter und ihre
Tourenpläne werden immer am Monatsende in diesen Geldfächern gebunkert, dafür
sind sie ja da.«
»Verdammt, Hanky, langsam glaub ich wirklich dran, dass
wir noch im letzten Moment Silvester retten können.« Ich schaute zu ihm,
anscheinend war er mit seinen Gedanken schon wieder ganz woanders.
»Rechne dir doch mal zusammen, wie viel Zeit so ein Arbeiter tatsächlich lebt«,
trieb mich Hanky fast zum Wahnsinn. »Ein Maurer schuftet jeden Arbeitstag
mindestens zehn Stunden. Fürs Scheißen, Rasieren, Duschen, Zähneputzen,
Anziehen, die Fahrt zur Arbeitsstelle und das bekloppte Rumsitzen im Bauwagen,
während der Mittagspause, gehen sicher zwei Stunden drauf. Das sind zwölf
Stunden pro Tag. Damit er überhaupt die beschissene Maloche aushält, muss er
acht Stunden pennen. Das ist doch kein Leben.«
Hanky pfiff sich wieder ne
volle Ladung ein und philosophierte dann weiter: »Weißt du, unser Leben läuft
sozusagen im Zeitraffer ab, wenn wir im Knast sitzen, sind wir tot, dafür leben
wir aber draußen intensiv und vergeuden keine Sekunde für nen beschissenen Job.
Sagen wir mal, die Bullen fischen uns in zwei Jahren und der verfickte Richter
drückt uns einen oder zwei Kalender rein, dann haben wir trotzdem schon mit
Zweiundzwanzig mehr erlebt und gelebt als ein Maurer mit Sechzig.«
»Jaja,
Hanky.«
Zum Glück stöhnten die Zwei auf dem Rücksitz jetzt so laut, dass
Hanky mit dem Geschwafel aufhörte und sich umdrehte. Ich schaute wieder in den
Spiegel. Francos behaarte Arschbacken wippten wie irre. Ein wilder Lachanfall
schüttelte mich. Hanky prustete auch los. Die Tränen liefen uns runter. Ich war
blind, lenkte die Kiste auf Verdacht. Bei dem Gedanken an unseren geklauten,
nach heißer Möse und Haschisch stinkenden Diplomat, in dem sie vorne lachten und
hinten fickten wie die Blöden, ging die Scheiße von neuem los. Der Stoff fetzte
fürchterlich rein!
»Jaaaaa ... jaaaa ... jaaaaa ...«, feuerte inzwischen
Rita ihren Lover an. Das heizte Franco zu sehr ein; er röhrte wie ein Hirsch und
spritzte ab. Kurz darauf jammerte Rita in der Gegend herum. Ich drehte die
Stereoanlage lauter, doch das half nur gegen das Stöhnen. Durch den Gestank im
Auto, schnappte ich verzweifelt nach Luft.
»Rita, hat dir schon mal
jemand gesagt, dass man Mösen waschen kann?«, fragte ich und drückte auf den
Knopf des elektrischen Fensterhebers.
»Das gilt natürlich erst recht für
frisch gefickte Fotzen. Ab zur nächsten Tankstelle und den Hochdruckreiniger in
das Ding«, setzte Franco noch einen drauf.
Wir lachten schon wieder wie
blöd, und Hanky bekam einen Hustenanfall. Rita wurde stinksauer, besonders auf
Franco, der sie doch eben erst - und mit größter Wonne - vögelte.
»Ihr
verdammten Schweine!«, schrie sie uns an.
Ich schaute in den Rückspiegel
und erschrak vor Ritas hasserfüllter Fratze.
»SO, DAS REICHT!« Hanky
hatte die Schnauze voll. »Am Zubringer schmeißen wir den Ofen raus und brettern
dann sofort zur Spedition Schwenker«, sagte er knapp.
»Das könnt ihr doch
nicht machen, wie soll ich denn heimkommen?«, jammerte Rita. »Franco, drück
ihr nen Fünfziger fürs Taxi ab, schließlich hast du sie gefickt.«
Hankys
philosophische Phase war eindeutig zu Ende. Rita fing an zu heulen.
»Verdammte Scheiße ... Charly, halt da vorne auf dem Seitenstreifen.« »Hanky,
meinst du nicht, dass wir Rita doch heimfahren ...?« »HALT AN!«
Hanky
stieg aus und riss die Tür bei Rita auf.
»RAUS!« »Aber ... Ich hab
keine Jacke dabei, und es is doch saukalt.« »RAUS!«
Rita tat mir
wahnsinnig leid, als sie Rotz und Wasser heulend aus dem Auto stolperte. Wieso
sagte aber auch Franco nichts? Schließlich hatte er sie doch gebumst. Trotzdem
wog schwerer, dass es schon Zwei war - uns lief die Zeit davon. Spätestens, als
wir bei der Spedition Schwenker mit dem Wagenheber die Gitter vor dem Fenster
auseinander bogen, hatte jeder von uns Rita vergessen. Franco stand Schmiere,
Hanky und ich stiegen ein und wurden sofort von einer dicken, Stahltür gestoppt.
Sie trennte uns von den Schließfächern mit dem Lobi.
»Scheiße, für die
Stahltür brauchen wir Alfons. Geh zu Franco und sag ihm, dass er Alfons holen
soll. Aber beeil dich, verdammt noch mal«. Ich wetzte los. »Franco, wir
stehen vor ner Stahltür. Hol Alfons aus dem Kofferraum.«
Franco zog ab.
Zwei Minuten später war er zurück und gab mir Alfons. Was hatte uns dieser
speziell geschliffene Baupickel schon für Patte beschafft. Wenn man Alfons
ansetzen konnte, dann wuchtete man mit ihm, durch die Hebelwirkung, sogar
mittlere Tresore auf. Ich raste mit Alfons zu Hanky. Es war wie immer: Hanky
bereitete mit dem 8er-Schraubenzieher die Sache für Alfons vor - der machte
lässig den Rest. Vielleicht hemmte die Stahltür ja tatsächlich Einbrecher,
Alfons hemmte sie aber nicht. Innerhalb von zehn Minuten hing die Spezialtür nur
noch halb in den Angeln - eine Zigarette später, war sie ein Fall für den
Schrottler. Hanky setzte Alfons am ersten Schließfach an, packte ihn am
Holzstiel, Alfons streckte sich, und ... WUPP! Das Fach war offen. Wir glotzten
gierig rein und sahen zwei Umschläge. Ich riss den ersten auf, Hanky machte
gleich mit Alfons weiter. Im Licht der Taschenlampe las ich, dass Hubert
Wiegering 3000 Mark brutto verdiente. Die Karte gab mir dann den Rest: Ein Gutes
Neues Jahr wünscht Ihnen, lieber Herr Wiegering, die Geschäftsführung,
gezeichnet: August Schwenker. Nicht eine müde Mark!
»SCHEIßE!« »WIE VIEL?«, fragte Hanky, während er mit Alfons Fach Nummer Zwei,
Drei und Vier aufbog. »3 Mille.« »WAS?«
Hanky wuchtete Schließfach Nummer Fünf, Sechs und Sieben auf. »Hubert
Wiegering verdiente im Dezember dreitausend Mark brutto. Verdammt noch mal, ne
verschissene Abrechnung und ne Neujahrskarte sind alles, was uns der Bruch bis
jetzt einbrachte, Hanky.« »Mach weiter!«, war alles, was er mir antwortete.
Hanky ließ sich nicht aus dem Konzept bringen. Meine Hände schossen ins nächste
Fach.
»WOW!« »HÄÄHH?«
Ich zählte schnell die Scheine durch und
streckte sie dann triumphierend in die Höhe. »YAAEEHHH! Hanky, n Riese.«
Wupp! Wupp! Wupp! Hanky arbeitete im Akkord, und ich kam fast nicht mit dem
Einsammeln der Geldumschläge nach.
»Mensch, Hanky, noch mindestens 50
Fächer, wenn in jedem zweiten ... Heute Abend kübeln wir Roederer bis der Arzt
kommt.«
»Worauf du einen lassen kannst. Diese Silvester wirst du nie
vergessen.«
Hanky hatte Recht. Das Feuerwerk war wirklich spitze. Ich
konnte alles sagenhaft gut sehen. Zelle Vierundsechzig lag im obersten Stockwerk
des Westflügels. Franco hatte im Ostflügel ebenfalls einen Logenplatz. Lediglich
Hanky sah im Erdgeschoss nichts als die graue Knastmauer der Freiburger
Justizvollzugsanstalt, aber das geschah ihm ganz recht, schließlich hatten wir
nur wegen ihm Rita nicht heimgefahren.
© by Kap 2007
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