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Texte von H. Kapeller (kap)

Spiel nie den Nazarener
Wer uns gehen 
und sehen heißt
oder auch nur versucht,
uns gehen und sehen zu heißen,
wird mit Kreuzigung,
nicht unter zwei Nägeln,
bestraft.

Gezeichnet: Die Lahmen und/oder Blinden

***
..._ _ _...
Wir ficken unsere Kinder
und senden Signale ins All,
voller Hoffnung auf Antwort.
 

***

 

Wenn Dich nur noch ein Bruchteil versteht,

verstehst Du das Ganze.

 

***

hier liege ich

auf der kleinen lichtung
rechts von euch
unweit eurer deckung
direkt vor dem gestrüpp

herrenlos 
und mörderisch geschärft


***

 

Übertriebene Toleranz macht aus Nutznießern

Genießer des Nutzens.

 

 

***

Notruf
Polizei 110
Feuer 112

Liebe 0190

***

Eine Spezies, die auf Arschlöcher angewiesen ist,

kann nicht die Krone der Schöpfung sein.


***

Wer den Sinn des Lebens sucht,

findet, in der Regel,
die Ausnahme.
 

***


Schlechte Aussichten
Zu viele sehen erst klar,
wenn sich ihr Blick trübt.


***


ich glaube  
er sagte die wahrheit
und log unverschämt

ich weiß

das ist wenig
und dennoch verkehrt



***

 

Carmen

und danach

tanzte sie Flamenco

 

Olè!

 

***

 

Irrfahrt

Wenn ich höre,

dass der Mensch nur denkt

und dann sehe,

wohin der Herr uns lenkt,

gibt mir das doch sehr zu denken.

 

Mir schwant: Gott lenkt und Luzifer lässt lenken

 

***

 

Sobald das Wissen den Gipfel erreicht,

versetzt der Glaube den Berg.

 

***

 

Schlampen

Meine Frau ist schön
Nicht nur hübsch
Wahrhaftig schön
Und elegant!

Ihren Busen betont ein Top von Versace
Die langen Beine hüllt Cerutti in Seide

Und wie sie duftet!
Mal ist sie Coco Chanel
Mal Madame Rochas

Doch mich zieht's zu den Schlampen
Tag für Tag
Lecke ich gierig geifernde Lefzen und
Berausche mich am Raubtiergeruch
Hungriger Doggenmaulmösen

***

 

Perpetuum immobile

 

Ich könnte ja was bewegen,

doch mich bewegt leider nichts.

 

***

 

Je schöner die Frau, desto öfter steckt der Wurm in ihr drin.

 

***

 

c'est la vie

wenn der albatros segelt
sticht der sinti den roma
und der hafer das pferd

wenn der albatros segelt
frisst ein kerl karins kitzler
und der krebs ihren gerd
 

***

 

die wahrheit

bleibt auf der strecke

 

pendelt

verkehrt

 

per se permanent

 

in der zeit

und im raum

 

 

***

 

Morgenstund hat Gold im Mund

Wenn ich in den Spiegel glotze
nur mit Mühe nicht gleich kotze
keinen Heller auf mich gebe
vor Entsetzen schrecklich bebe
meine schwarze Lunge quäle
während ich die Falten zähle
kräftig aus dem Maul raus stinke
in die Depression versinke
wieder diesen Arsch rasiere
mich dabei verdammt geniere
in die Schwabbelbacke schneide
schwanke, furze - schrecklich leide
meinen Pegel schmerzlich misse
hilflos in die Hose pisse
vom Entzug unglaublich zittere
auf den nassen Fliesen schlittere
würgend spucke - tierisch fluche
Zähne in der Schüssel suche
auf die schwache Leber pfeife
gierig nach dem Flachmann greife
und meinem Weib das Blut gerinnt
weiß ich, dass der Tag beginnt
 

***

 

ich glaube

mein kreuz

ist das wissen

 

***

 

Spaziergänge eines Philosophen
 
Manchmal,
 wenn ich hinter meinem Hund her gehe
 und sein Arschloch schwellen sehe,
 bevor er's mit dem Schwanz bedeckt,
 weil ihn ein großes Tier erschreckt,
 dann rutscht mir fast die Frage raus:
 Sieht das bei uns genauso aus?
 

*** 

 

Wir halten uns für den Nabel der Welt

und sind doch lediglich

eine unappetitliche Ablagerung darin.

 

*** 

 

Vater unser

Wir emanzipieren uns heute,
sorgen selbst für das tägliche Brot,
widerstehen der Versuchung,
und befreien dich von dem Übel,
unser Leben ewig
alimentieren zu müssen.

*** 

 

Der Mythos von Sisyphos

Auf einen,

der dichtet,

kommen zehn,

die nicht dicht sind.

 

*** 

 


 

Wer Wasser in Wein verwandelt

trägt Mitschuld

am Kater der Berauschten.

 

*** 

 

monopolymathematik

 

sieben von zehn

in der badstraße

 

sind

 

acht komma neun

in der schloßallee

 

*** 

 

Endlösung

Wer schwer Worte findet,
darf nicht viele verlieren.
 
 
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